Ein Zelt fur die Kleinen Strolche - Archiv des UmbruchsSommergetreide im KleingartenHaus auf SchienenDas Elbarchiv

Über das Projekt

Archiv des Umbruchs ist ein Projekt der Agentur Kriwomasow in Kooperation mit dem Forschungsverbund „‚Social Capital‘ im Umbruch europäischer Gesellschaften"

„Man setzt die Ereignisse, die man gesehen hat und noch immer sieht, mit dem Feld in Beziehung. Nicht nur, dass das Feld sie einrahmt, es enthält sie auch. Die Existenz des Feldes ist die Vorbedingung dafür, dass sie sich so ereignen, wie sie es getan haben, und dafür, dass sich andere Ereignisse in bestimmter Weise abspielen.“
– John Berger

Das Archiv des Umbruchs entsteht mitten im Feld, im Forschungsfeld Wittenberge, wo Soziologen und Ethnologen in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahren eine Stadt und ihre Bewohner beobachtet und befragt haben: Wie erzählt man über Leben und Überleben im Umbruch? Wie hält man Etwas fest, dessen Wesen die Veränderung ist?

Das Archiv des Umbruchs ist kein reiner Ort der Aufbewahrung, an dem man Wittenberge und seinen Bewohner in einer Art Zeitkapsel oder akustisch-visueller Erinnerungskonserve begegnen kann. Man muss das Archiv als Prozess begreifen, als Annäherung an einen Ort, der exemplarisch für viele andere Orte im Umbruch ist. Gewachsene Strukturen – familiäre, soziale und berufliche – sind in Auflösung, Bedeutungen verschieben sich.

Das Archiv des Umbruchs spürt Ereignisse auf, deren Veränderung und Verschwinden Ausdruck des gesellschaftlichen Umbruchs sind. Künstler, Wissenschaftler und Wittenberger begegnen sich als Spezialisten und Laien zugleich in einem künstlerisch inszenierten Tauschgeschäft, das einen Mehrwert für alle Beteiligten generiert. Die einen Bewohner werden zu Produzenten, die den Wert ihrer Arbeit und die damit verbundenen Kenntnisse neu erfahren, andere erhalten als aktive Konsumenten ein Produkt und Erlebnis und Künstler sowie Wissenschaftler speichern Wissen und gelebte Erfahrung. In einem mehrstufigen Prozess entstehen Felder im Feld. Nach einer ersten Forschungsphase wählt Agentur Kriwomasow gemeinsam mit Wissenschaftlern Orte und Fertigkeiten aus, die für Wittenberge charakteristisch sind, um dann in Kooperation mit bestehenden Bildungs- und Sozialeinrichtungen in künstlerisch gesetzten Situationen mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten. Das in den unterschiedlichen Kontexten entstandene audio-visuelle Material wird in der Bearbeitung zu einer vielschichtigen Erzählung verdichtet, um diese dann im Archiv des Umbruchsin die Öffentlichkeit zurück zu führen. Bei der ersten Hafenrundfahrt in der Geschichte Wittenberges oder in einem Wohnzimmer auf Schienen bahnt Agentur Kriwomasow den Geschichten der Menschen ihren Weg zurück ins Feld.

Die Bahn – Der Hafen – Der Kleingarten – Die Nähmaschine

Wasser und Schienen sind Verkehrswege und Sehnsuchtsachsen in die Ferne. Sie bedeuten für Wittenberge nicht nur die Anbindung an den Rest der Welt, die Bahn hat als einer der letzten großen Arbeitgeber am Ort die Struktur der Stadt über Generationen von Familien hindurch mit geprägt. Vom Wasser aus eröffnet sich ein Blick auf Wittenberge aus der Distanz heraus, zugleich sind die Elbe und der Hafen Ort der Arbeit, Freizeit und Natur. Zwischen Flussbett und Bahngleisen dehnen sich innerstädtische Kleingärten seit dem Industriezeitalter aus. Ihre Nutzung muss sich dem immer wiederkehrenden jahreszeitlichen wie auch dem gesellschaftlichen Wandel stellen. So auch das Nähen, das als Industrie in Wittenberge eine lange Tradition hatte. Die Nähmaschinenfabrik Singer, später Veritas, und die Bekleidungswerke existieren nicht mehr als Arbeitsstätten am Ort. Ehemalige Mitarbeiterinnen nähen gemeinsam mit Agentur Kriwomasow und Wissenschaftlern ein Zelt für den Garten einer Kindertagesstätte. Während des Herstellungsprozesses erzählen die Näherinnen von ihrer erlernten, nun nicht mehr professionell praktizierten Arbeit und geben etwas an die Generation weiter, die nach 1989 im Umbruch heranwächst und ihn als alltägliche Normalität begreifen lernt: ihre Geschichte für das Archiv weltweit und ein Zelt als Objekt vor Ort.

Im übertragenen Sinn ist das Zelt der für das Feld, für alle Felder, notwendige Schutzraum, in den man sich zurückziehen und von dem aus die Welt neu erobert werden kann. Das Archiv des Umbruchs trägt die unterschiedlichen Erzählungen davon zusammen und ist zugleich ein offenes Feld für eine weitere Fortschreibung.

„Das Feld, vor dem Du stehst, scheint dieselben Proportionen zu haben wie Dein eigenes Leben.“ – John Berger

Christina Runge, März 2010

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Kalender

Aktuelle Termine der Vorstellung:
In der Nacht kamen mir immer die Ideen geflogen...
Archiv des Umbruchs. Eine dokumentarische Recherche

Maxim Gorki Theater Berlin, Gorki Studio
http://www.gorki.de/-/premieren/535937

Fr. 26.03.2010
20:15
Gorki Studio
So. 11.04.2010
20:15
Gorki Studio
Sa. 24.04.2010
20:30
Video Screening Wittenberge
So. 16.05.2010
20:15
Gorki Studio

 

 

 

 

 

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Links

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Kontakt

Agentur Kriwomasow:
c/o Andreas Kebelmann
mail_AT_archivdesumbruchs.de

Web Design:
Daniel Belasco Rogers
dan_AT_planbperformance.net

Video:
Anja Mayer
post_AT_anjamayer.de

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